"Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben...

Einsamkeit und Alleinsein in der Literatur


Die Einsamkeit, die Rilke in seinem Gedicht „Herbsttag“ anspricht, ist eine Grunderfahrung des Menschen und ein in der Literatur häufig behandeltes Thema. Selbst gewählte oder unfreiwillige Einsamkeit. Einsamkeit als Voraussetzung für Selbsterkenntnis und künstlerisches Schaffen oder als leidvoll erfahrene Isolation von der Gesellschaft. Die folgenden Werke setzen sich mit verschiedenen Aspekten der Einsamkeit auseinander.


Thomas Glavinic: Die Arbeit der Nacht

Von einem Tag auf den anderen ist Jonas plötzlich allein auf der Welt. Dass die Zeitung morgens nicht wie gewöhnlich vor der Tür liegt, ist noch kein Grund zur Sorge. Doch als Internet, TV und Radio ausfallen, beginnt er sich zu wundern. Er verlässt die Wohnung und stellt fest, dass die Menschen verschwunden sind. Es beginnt eine Expedition, die Jonas mit den elementaren Fragen menschlicher Existenz konfrontiert.

Hermann Hesse: Der Steppenwolf

Harry Haller, ein vergeistigter, einsamer Büchermensch, findet in einer gedankenleeren, unkritischen Zeit keinen Zugang zu seinen Mitmenschen und lebt deshalb als isolierter Einzelgänger. Sein Leiden entspringt nicht einer individuellen seelischen Krankheit, sondern ist Ausdruck der Krankheit der Zeit.


Franz Kafka: Das Schloss Der Landvermesser K. erhält die Einladung, auf einem Schloss zu arbeiten. Nach langer Anreise findet er vor Ort jedoch keinen Ansprechpartner. Vergeblich versucht er, Kontakt mit der zuständigen Behörde aufzunehmen. Er irrt allein umher und findet sich schließlich resigniert mit der unergründlichen Autorität des Schlosses ab.


Ilma Rakusa: Einsamkeit mit rollendem 'r'

In vierzehn Erzählungen beleuchtet Ilma Rakusa anhand unterschiedlicher Lebensläufe und Orte die vielen Facetten der Einsamkeit und die mir ihre verbundenen Sehnsüchte und Rettungsanker.


Herbert Rosendorfer: Großes Solo für Anton

Anton L. wacht eines Morgens in seinem Untermieterzimmer auf, um zu erfahren, dass alle Mitmenschen verschwunden sind. Langsam schickt sich Anton in sein Schicksal und begibt sich auf die Suche nach der verlorenen Welt.


Patrick Süskind: Die Taube

Jonathan Noel, Wachmann in einer Bank in Paris, hat aufgrund von tragischen Ereignissen in seiner Vergangenheit die Fähigkeit verloren, anderen Menschen zu vertrauen. Er lebt ein isoliertes und einsames Leben, als plötzlich eine Taube vor seiner Tür auftaucht und sein Leben völlig durcheinanderbringt.


Foto: @Christine